"Mollys" luden in Watzenborn-Steinberg zu Neujahrsempfang ein
Bilder ansehen | Pohlheim (agl). "Etappen, an denen man sieht, dass Watzenborn-Steinberg lebt" nannte Jörg Buß, Vorsitzender des Carnevalvereins (CV) 1956 "Die Mollys" Watzenborn-Steinberg am Donnerstagabend im kleinen Saal der Volkshalle.
Dorthin hatte der umtriebige Verein aus dem größten Pohlheimer Stadtteil gemeinsam mit dem Ortsbeirat Vertreter des gesellschaftlichen Lebens zum Neujahrsempfang eingeladen, um über das Geschehen im Ort zu sprechen und um verdiente, langjährige Mitglieder auszuzeichnen. Auch der Verein selbst kann in diesem Jahr ein närrisches Jubiläum feiern, gibt es ihn doch bereits seit 55 Jahren. "Wir feiern die Elfer-Schritte", sagte der "Mollys"-Vorsitzende denn auch.
Buß verwies zunächst auf den Sport in Watzenborn-Steinberg: "Die Vereine spielen hochklassig und machen eine ganz hervorragende Jugendarbeit." Im Hinblick auf die Gesangvereine, die sich "meines Erachtens stabilisiert haben", nannte der "Mollys"-Vorsitzende als eine herausragende Veranstaltung das Konzert unter dem Titel "Man(n) singt deutsch", das der Gesangverein "Sängerkranz" auf die Beine gestellt hatte. Auch für die Kirchen fand Buß lobende Worte und wies dabei insbesondere auf die Beteiligung an den Ferienspielen hin. Auch was die Schulen angehe, sei der Ort voran gekommen. Und der "Tag der Umwelt" sei sehr gut besucht gewesen.
Zudem gebe es in Watzenborn-Steinberg Unternehmen, die sich mit dem Ort identifizieren. Aus all dem heraus ergab sich für Buß das "Fazit, dass man hier sehr sehr gut leben kann.". Und: "Wir haben keine Vereinsgemeinschaft, aber Sie als einzelne Bausteine ergeben zusammen einen Turm", so der Redner in Richtung der Verantwortlichen aus den Vereinen. Buß lud zur "Mollys"-Sitzung ein und wünschte allseits ein gutes neues Jahr.
Gimbel kritisiert Fluktuation in Vereinen, nennt aber auch zuversichtlich Stimmendes Ortsvorsteher Klaus-Dieter Gimbel dankte dem Carnevalverein für die Ausrichtung des Neujahrsempfangs und verwies darauf, dass er beim Empfang im vergangenen Jahr kritische Worte gewählt habe (unter anderem, wie damals in der Gießener Allgemeinen zu lesen war: "Was die Gemeinschaft anbelangt, wird Watzenborn-Steinberg demnächst eine reine Schlafstätte, zu groß für ein Dorf und zu klein für eine Stadt"). Am Donnerstag sagte er dann, dass man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen könne und dass Watzenborn-Steinberg kein Dorf mehr wie in früheren Tagen sei. Die Entwicklung in den nördlichen Stadtteilen in Richtung städtischer Strukturen gehe weiter. Er sehe für die Vereine Probleme, sagte der Ortsvorsteher. Diese werden laut Gimbel als Dienstleister gesehen, aber es gebe eine Fluktuation. Das Problem sei teilweise folgendes: "Man tritt einem Verein bei, wenn man ihn braucht, und man tritt wieder aus, wenn man ihn nicht mehr braucht."
Neben der Sorge unterstrich Gimbel aber auch die positiven Aspekte, verwies auf den Frühschoppen "Singen am Biertisch", den die Watzenborn-Steinberger Gesangvereine veranstaltet haben und der ein Schritt gewesen sei, um die Kirmes zu ersetzen. Der Ortsvorsteher hob außerdem das Engagement der musiktreibenden Vereine und der Kirchen beim Wiesnfest hervor. Erfreulich sei, dass dieses Großereignis in diesem Jahr nicht an Himmelfahrt terminiert sei. Deswegen gebe es auch keine Kollission mit anderen Veranstaltungen. Zudem gebe es eine einvernehmliche Lösung für die Wiesnfest-Veranstalter und den Nachbarn, die mit ihren Grundstücken nahe an der Mockswiese liegen.
Lea Hirsch stimmte als Tanzmariechen auf die heiße Phase des Karnevals ein. "Es gibt positive Ansätze und viele Vorhaben, die wir gemeinsam fördern, und die Vereine gehen stärker aufeinander zu", machte der Ortsvorsteher eine Standortbestimmung des gesellschaftlichen Lebens in Watzenborn-Steinberg.
Ehe Jörg Buß die Jubilare seines Vereins ehrte, überreichte er Gimbel den Orden der "Mollys" für die aktuelle Kampagne. "33 Jahre aktive Mitgliedschaft heißt 33 Jahre eurem Publikum das Lächeln ins Gesicht gelockt", sagte Buß. Drei Mal elf Jahre bei den "Mollys" sind Wolfgang Haas, Dieter Schäfer und Manfred Herbst. Bereits seit 44 Jahren gehört Jürgen Schäfer dem Carnevalverein an. Reinhold Häuser ist seit 55 Jahren aktiv und zählt somit zu den Gründern des Vereins - die "Königsdisziplin der Ehrungen", wie es Buß nannte.
Eine sportlich-karnevalistische Einstimmung auf die heiße Phase der fünften Jahreszeit bot Lea Hirsch, die die "Mollys" in der Altersklasse der Junioren als Tanzmariechen präsentiert und es im vergangenen Jahr bei der Hessenmeisterschaft auf den dritten Rang schaffte. Traninert wird Lea Hirsch von Laura Schäfer und Julia Krausmüller.